Tierische „Untermieter“ haben klare Rechte!

Ob Fassadendämmung, Um-, Neu- oder Ausbau: Tiere und ihre Behausungen sind per Gesetz geschützt! (Foto: Pixabay.de)

Wenn ein Neubau, der Abriss einer Scheune oder ein Umbau anstehen, kann das auch tierische Vormieter bzw. Mitbewohner betreffen. Das gilt auch, wenn Sie Ihr Grundstück umgestalten, Brachen bebauen, Ihr Dach neu eindecken oder Ihre Fassade dämmen möchten.

Artenschutz ist dabei immer gesetzliche Auflage. Nach § 44 Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) ist es verboten, wildlebenden Tieren der besonders geschützten Arten (z. B. auch Igel) nachzustellen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder ihre Entwicklungsformen (z. B. Kaulquappen) aus der Natur zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören.

Die streng geschützten Arten und die europäischen Vogelarten dürfen zusätzlich während der Fortpflanzungs-, Aufzucht-, Mauser-, Überwinterungs- und Wanderungszeiten nicht erheblich gestört werden. Ebenso ist es verboten, die Fortpflanzungs- oder Ruhestätten der besonders geschützten Tierarten zu entnehmen, zu beschädigen oder gar zu zerstören.

Selbst wenn sie zeitweise nicht bewohnt sind wie Fledermausquartiere, Schwalben- oder Mauerseglernester.

Im Folgenden erfahren Sie, welche besonders und streng geschützten Tierarten von welcher Baumaßnahme betroffen sein können:

  • Dachbodenausbau/Umnutzung von Scheunen:Hornissen, Fledermäuse, Schleiereule, Mauersegler, Rauch- und Mehlschwalbe, Ringeltaube, Turmfalken, Dohlen 

  • Fassadensanierung/Wärmedämmung:Fledermäuse, Hornissen, Hummeln, Mauersegler, Schwalben, Haussperling, Hausrotschwanz, Turmfalke, Ringeltaube 

  • Abriss:Nistplätze für Schleiereule, Mauersegler, Schwalben, Lebensstätten von Fledermäusen 

  • Beseitigung von Gartenteichen:alle Amphibienarten (z. B.: Grasfrosch, Erdkröte, Wasserfrosch, Bergmolch, Teichmolch) 

  • Beseitigung von Schutthalden/Abraumhalden, Steinhaufen:Reptilien (Eidechse, Blindschleiche, Ringelnatter, Schlingnatter), Igel 

  • Roden von Höhlenbäumen, Gebüschen, Hecken: Fledermäuse, Hornissen, Spechte, Gartenrotschwanz, sowie alle Kleinvogelarten (Amsel, Drossel, Fink, Rotkehlchen). Achtung: Eine Baum- oder Heckenrodung ist ohnehin in der Regel nur außerhalb der Schutzfrist (1. März bis 30. September) erlaubt!

Woran lassen sich Vorkommen dieser Tierarten erkennen?

  • Nester (Dächern, Fassaden, Türmen, Schornsteinen), Baumhöhlen

  • Einflug-/Abflugverhalten von Vögeln u. Fledermäusen, v.a. in den Dämmerungsstunden

  • Kotreste, Gewölle oder Federn in Dachräumen, Scheunen, Kellern usw.

Welche Pflichten hat der Bauherr?

Er muss überprüfen, ob artenschutzrechtliche Belange durch sein Bauvorhaben beeinträchtigt werden können. Ansprechpartner dafür ist die Untere Naturschutzbehörde beim Landratsamt (s. unten). Sind besonders oder streng geschützte Arten betroffen, ist dort eine artenschutzrechtliche Genehmigung zu beantragen – und zwar frühzeitig im Vorfeld einer Maßnahme. Die Behörde gibt Ihnen gegebenenfalls auch die Adressen von Fachbüros, die eine artenschutzrechtliche Begehung übernehmen.  Erfahrungsgemäß lassen sich in den meisten Fällen Lösungswege für die zu erteilende Genehmigung bzw. Befreiung von den Verboten finden

(z. B. zeitliche Anpassung oder eingriffsminimierende Maßnahmen). Wenn wie z. B. bei einer alten Scheune wahrscheinlich ist, dass der Artenschutz betroffen ist, kann die Untere Naturschutzbehörde auch von sich aus ein artenschutzrechtliches Gutachten einfordern.

Was passiert bei einem Verstoß gegen die artenschutzrechtlichen Bestimmungen?

Bei Verstößen gegen die Artenschutzvorschriften können

Geldbußen von bis zu 50.000 Euro drohen. Zuständig dafür ist die Untere Naturschutzbehörde, die neben der Geldbuße auch anordnen kann, dass ein Ausgleich für den unerlaubten Eingriff geschaffen wird. Das kann auch einen Baustopp zur Folge haben. In schwerwiegenden Fällen kann ein Verstoß gegen das Artenschutzgesetz sogar ein Straftatbestand nach § 71a BNatSchG sein.


Bei artenschutzrechtlichen Belangen wenden Sie sich an:

Landratsamt
Bauen, Umwelt und Nahverkehr
Dienststelle: Kaiserstr. 1 (Postanschrift: Lerchenstr. 40)
74072 Heilbronn

Telefon: 07131 994-308
E-Mail: bauen-umwelt-nahverkehr@landratsamt-heilbronn.de

Weitergehende Informationen gibt es auch online unter:
www.artenschutz-am-haus.de 



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